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Auch LateinamerikanerInnen sind in Deutschland von Rassismus betroffen. Es ist deshalb keine Entlastung der Zustände in der eigenen Gesellschaft gerade in Zeiten, wo die Patrioten (der Kabarettist Volker Pispers bezeichnet das als Verbindung von Patria und Idioten) von deutscher Leitkultur faseln wenn wir uns in dieser ila mit dem Rassismus in Lateinamerika beschäftigen. Wir thematisieren, diskutieren und bekämpfen seit über zwei Jahrzehnten den Rassismus in der BRD. Aber er existiert offensichtlich überall, auch wenn er in unterschiedlichen Fratzen daherkommt. Um mehr über Entstehungsweise, Grundlagen und Ausdrucksformen von Rassismus zu erfahren, ist es nützlich, auch mal nach außen zu schauen. Rassismus hat viele Gesichter. Er kann offen-diskriminierend Indio" als Schimpfwort benutzen; er kann aber auch die Musik und die Tänze der AfrobrasilianerInnen als nationales Kulturgut usurpieren und schwarze Fußballballer feiern und dabei die Mehrheit der Schwarzen dennoch auf der untersten Stufe der sozialen Pyramide in bitterster Armut und Verachtung belassen. Rassismus gegen indigene und schwarze Menschen hat eine Tradition bis in die Zeit der Conquista und des Sklavenhandels. Neue Formen des Rassismus richten sich nicht gegen InländerInnen anderer Hautfarbe, sondern tatsächlich gegen AusländerInnen". Dabei vermischen sich Vorbehalte gegen mögliche KonkurrentInnen mit tief verwurzelten rassistischen Feindbildern. Rassismus ist vielschichtig und natürlich auch ein Herrschaftsphänomen. Besser, die Beherrschten gehen sich gegenseitig an die Gurgeln, als die ganze Herrschaft in Frage zu stellen und zu bekämpfen. Aber Rassismus erklärt sich immer auch aus dem Bedürfnis von Gruppen und Individuen, soziale Unterschiede zu legitimieren oder sich auf Kosten anderer Vorteile zu verschaffen. Wenn es dann besonders in Zeiten von Krisen und Verunsicherung jemanden gibt, auf den man ungestraft oder gar von oben" ermuntert draufschlagen kann, gibt es genügend Frauen und noch viel mehr Männer, die das gerne tun. Das schafft Frust vom Hals und vermittelt ein Gefühl von Macht über andere. Im kleinen wie im großen Rahmen ist Rassismus offen oder versteckt (Leitkultur) Ausdruck von Gewalt und Gewaltanspruch anderen gegenüber. Weiße EuropäerInnen oder ihre Nachfahren sind auch in der neuen Welt" eher Täter als Opfer (es sei denn, sie sind jüdischen Glaubens). Aber auch Schwarze oder Indígenas können RassistInnen sein. Auch bei diskriminierten Gruppen ist Identitätspolitik, die sich auf das Gemeinsame beruft, Ausschluss der Anderen. Selbst auf Grund ihres Andersseins" diskriminiert, richten sie sich nicht nur gegen die unterdrückerische weiße, sondern gegen andere Welten als solche. Dabei sind selbstverständlich auch ethnische Minderheiten nicht homogen, haben sie Widersprüche und Interessengegensätze zwischen Armen und Reichen, zwischen Frauen und Männern, zwischen Jugendlichen und Alten, die auf die Tradition und damit auch ihre tradierten Herrschaftsansprüche bestehen. Viele Fragen, die in dieser ila natürlich längst nicht alle diskutiert und erst recht nicht beantwortet werden. Vielmehr werfen wir einige Schlaglichter auf das Thema und hoffen, zu einer allenthalben notwendigen Diskussion beizutragen. Damit nicht noch mehr Menschen Opfer primitiver Killer werden! P.S. Dieser ila liegt wie schon im November noch einmal der Bettelbrief" an unsere LeserInnen bei. Bis zum 29. November sind 2590,- DM an Spenden für die ila eingegangen. Den SpenderInnen vielen Dank. Allen, die noch nicht dazu kamen, ihre Überweisung fertig zu machen, sei gesagt, es ist nie zu spät. Das gilt auch für das ila-Geschenkabo, mit dem man sich selbst und anderen eine Freude machen kann. Jetzt aber genug der Appelle. Wir gehen jetzt in unsere Winterpause und melden uns wie üblich Mitte Februar zurück. Titelbild unter Verwendung eines Fotos Herby Sachs/version |
| 04 Der Mythos
der »Rassendemokratie« Schwarze in Brasilien von Nilma Bentes Brasilien präsentiert sich in der Welt gerne als Rassendemokratie, in der Menschen verschiedener Hautfarben friedlich und gleichberechtigt zusammenleben. Die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft präsentiert sich bei jeder WM als Botschafterin dieser Idee. Doch die schwarzen Fußballmillionäre, um die sich Clubs in der ganzen Welt reißen, sind nur eine kleine Minderheit unter Brasiliens Schwarzen. Die große Mehrheit lebt nach wie vor am Ende der sozialen Hierarchie. Auch rassistische Diskriminierung ist alltäglich, wenn auch nicht so auffällig wie anderswo. Deshalb zeichnen AktivistInnen der Schwarzenbewegung, wie unsere Autorin Nilma Bentes, ein ganz anderes Bild der Rassendemokratie, als es das offizielle Brasilien tut. 07 Von negis und weissis 09 Lokalverbote und rassistische
Botschaften 12 Illegalität als Dauerlösung 15 Indianisierung oder
Bürgerkrieg? 18 Ein rassistischer Tatbestand 20 Tu was für s Vaterland
töte einen Bolivianer! Berichte & Hintergründe 23 Neue
Hoffnung für São Paulo? 25 Ist der Plan Colombia tot? 27 Neoliberalismus konkret 28 Die beschwerliche Suche nach dem
Paradies 30 Matter Glanz
Ländernachrichten/Poonal 33 Peru, Kolumbien, Paraguay, Brasilien, Ecuador, Italien/Argentinien, Uruguay Eine Welt Wirtschaft 36 Unbezahlbar oder
unrechtmäßig? gegen Schulden und Armut von Gerhard Klas 39 Von Chile lernen?
Kulturszene 42 Von Marx zu Engels 45 So fern?
So nah! 47 Die Jahre mit Laura Díaz
Solidaritätsbewegung 48 Prozesse
kritischer Öffentlichkeitsproduktion 49 Die Abenteuer einer Katze 50 Notizen aus der Bewegung 51 Zeitschriftenschau, Impressum |